film & tv rezensionen und empfehlungen 24/7

Am Ende kommen Touristen (And Along Come Tourists), Robert Thalheim, D 2007


 
ein beitrag von michael p. wagenhaeuser
 
17. Dezember 2007
16:21 Uhr
 
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»Uwaga« steht auf dem Zug, aus dem Sven aussteigt – Achtung! Der junge Deutsche leistet im polnischen Oswiecim seinen Zivildienst: Er soll den ehemaligen Häftling Krzeminski pflegen. Sven beginnt sich mit der Geschichte des »sensiblen Ortes« auseinander zu setzen. Hinter seinem Rücken wird getuschelt: »Ob Svens Opa auch schon hier in Auschwitz war?«

Herr Krzeminski lebt noch immer in dem ehemaligen Konzentrationslager, repariert die Koffer der ermordeten KZ-Häftlinge und berichtet für die Belegschaft ausländischer Unternehmen von seinen Leiden. Doch seine Anstrengungen werden nicht geschätzt. Die Wissenschaftler möchten die geschichtlich wertvollen Koffer lieber konservieren und die Unternehmen sich möglichst schnell durch ihr geheucheltes Mitleid ihrer geschichtlichen Verantwortung entledigen.

»Am Ende kommen Touristen« ist kein pathetischer Lehrfilm über den Holocaust, der vom Zuschauer Mitleid und Tränen fordert. Es gibt keinen harten Kontrast zwischen Deutschen und Polen, ganz im Gegenteil: Eine zarte Liebesgeschichte verbindet die beiden Völker und zeigt dennoch, dass die geschichtliche Wunde nicht verheilt ist.

Die offene Geschichte lässt mich nachdenken. Auch über mich, der nur wenige Kilometer entfernt von einem ehemaligen Konzentrationslager lebt, aber noch nie da war, und über Menschen, die große Strapazen auf sich nehmen, um diesen Ort zu besuchen und sich nach der Führung am Postkartenständer eindecken.

 

 

Filmkritik: Free Rainer, Hans Weingartner, D/A 2007


 
ein beitrag von michael p. wagenhaeuser
 
3. Dezember 2007
16:25 Uhr
 
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Kritik am Fernseh-Konsumverhalten ist eine tolle Sache und auch das Aufzeigen des »moralischen Verfalls« und der zunehmenden Niveaulosigkeit des Fernsehens ist sicherlich angebracht. Aber bitte nicht auf diese Weise, Herr Weingartner.

Denn die gleiche Niveaulosigkeit, die Sie dem Fernsehen vorwerfen, unterstellen Sie uns, dem Publikum Ihres Films. Wir wissen schon, dass Fernsehen tendenziell eher verblödet als bildet. Wir können sogar, trotz jahrelanger fernsehbedingter geistiger Degenerierung, der Handlung Ihres Films leicht folgen. Es ist wäre also nicht nötig gewesen alle paar Minuten für uns zu wiederholen, wie böse doch diese reichen drogenkonsumierenden TV-Yuppys und wie gut die alkoholkranken Arbeitslosen sind. Gut und Böse, Schwarzweißmalerei.

Die von Ihnen beklagte Bloßstellung von Menschen im TV, in der fiktiven Show »Hol’ dir das Superbaby«, ist auch Ihrem Film nicht unbekannt. Bei Ihnen werden Christen als weltfremde Spinner dargestellt und verwirrte Ausländer belächelt. Sicherlich mit einem Augenzwinkern, aber doch auf einer ähnlichen Art und Weise.

Sie sind ein Weltverbesserer und scheinen zu wissen, wo die Wurzel allen Übels liegt. Schön. Doch Ihre verbissene antikapitalistische Phrasendrescherei macht den Film unerträglich: Proletarier aller Länder vereinigt euch, stellt eure Bierflasche auf den Couchtisch, erhebt euch und kämpft gemeinsam gegen die Ungerechtigkeit. Scheut euch dabei nicht illegale Mittel anzuwenden, denn Staat und Wirtschaft sind sowieso gegen euch. Wenn ihr dann noch auf eurem spirituellen Selbstfindungsweg aufhört zu koksen, ist euch die Liebe einer hübschen Frau schon in der nächsten Sekunde gewiss.

Eine sehr einfache und einseitige Sichtweise, die leider keinen seriösen Weg aus der Misere vorschlägt. Schade. Ich hätte mir einen Lösungsansatz gewünscht. »Free Rainer« ist auch nur Opium für das Volk, die Revolution bleibt vorerst aus.

Free Rainer, dein Fernseher lügt, D/A 2007; Produzent, Drehbuch und Regie: Hans Weingartner;

 

 

Interview mit Jean Luc Godard: Kino heißt streiten


 
ein beitrag von michael p. wagenhaeuser
 
3. Dezember 2007
13:23 Uhr
 
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Ein Interview mit dem französischen Regisseur Jean-Luc Godard (Außer Atem, Die Verachtung,…) in der Zeit. Sehr zu empfehlen.

 

 

Filmkritik: American Gangster, Ridley Scott, USA 2007


 
ein beitrag von michael p. wagenhaeuser
 
26. November 2007
15:45 Uhr
 
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Man nehme 100 Millionen US-Dollar, einen Oscar-Regisseur, zwei Oscar prämierte Darsteller und etwas Fleisch (in Form von cirka 15 nackten Damen). Dazu gebe man korrupte Polizisten (die eklige Sorte), ein paar zwielichtige amerikanische Gangster (anschließend vielleicht im Filmtitel erwähnen?), eine moralische Instanz (durch Oma-ähnlichen Charakter) und, wie immer, einen Spritzer amerikanischen Pathos (Marke George Bush).
Nun nach Belieben abschmecken, am besten mit einer Prise Heroin (gerne auch mehrere Kilo), fetziger Musik und etlichen Waffen (nicht zu knapp). Anschließend locker vermengen – nicht zu sehr, sonst verliert der durchschnittliche Zuschauer den Faden – und nach 157 Minuten haben Sie ein ordentlich unterhaltendes Hollywood-Action-Drama.

Zur Verfeinerung sollten sich die beiden Helden anfangs diametral gegenüber stehen. Um diese Differenz für den Zuschauer zu verdeutlichen wird vorgeschlagen, Szenen mit dem beliebten schwarzen Drogenboss und dem einsamen, von Aktenordnern und nervigen Telefonen umringten Polizisten möglichst oft abzuwechseln.

Ein kurzweiliger Kinoabend ist garantiert. Bon Appetit.

 

 

YouTube Video-Sammlung: David Lynch Problem Solver


 
ein beitrag von michael p. wagenhaeuser
 
25. November 2007
20:34 Uhr
 
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Sehr witzig – vier Videos über den »Problem-Solver« David Lynch, im David-Lynch-Stil. Wie – du weißt nicht, wer David Lynch ist? ;-) Na, der Regisseur von Filmen wie Mulholland Drive, Twin Peaks, Blue Velvet, Lost Highway, Inland Empire, …








 

 

Filmkritik: Die Ermordung des Jesse James durch den Feigling Robert Ford


 
ein beitrag von michael p. wagenhaeuser
 
19. November 2007
23:33 Uhr
 
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Keine Helden, kein Showdown, aber ein Western.

Durch ein Fenster brechen die Sonnenstrahlen in ein warmes Zimmer. Ein stattlicher Mann sitzt in einem Schaukelstuhl und raucht genüsslich seine Zigarre. Kind und Frau sind anwesend – heile Welt.

Männer sitzen im sonnendurchfluteten Wald und essen Eintopf. Ihr Anführer, ein stattlicher Mann, der seine bisherigen 17 Morde nicht bereut, blinzelt.

In der Dunkelheit trifft die Bande die letzten Vorbereitungen für einen Zugüberfall. Als der Zug herandonnert, blendet das Licht der Scheinwerfer. Dampf steigt auf und im gleißenden Gegenlicht erscheint die Silhouette des Anführers Jesse James. Sein nächtliches Ich ist skrupellos: Er verprügelt einen Zug-Angestellten, bis dieser regungslos am Boden liegt.

Jesse James ist so gespalten wie Licht und Schatten und doch kann das Eine ohne dem Anderen nicht sein. Jesse James ist kein Stereotyp, er ist Gut und Böse, er ist Mensch.

Zu wissen, wovon der Film handelt und welchen Verlauf dieser nimmt, ist keine Kunst: »Die Ermordung des Jesse James durch den Feigling Robert Ford«. Der »Verlust« des klassischen Spannungsbogens verstärkt andere Qualitäten: Zum einen der größere Einfluss der einzelnen Charaktere und zum anderen die Suspense: »Wann stirbt Jesse James endlich!?«
Der Film ist kein klassischer Western, bei dem der strahlende Held natürlich das Shootout gewinnt und »das Böse« aus der Stadt treibt. Es gibt keinen romantischen Ritt in den Sonnenuntergang, sondern Winter. Keine Tresenschlägereien, sondern Tränen. Keine Helden, sondern Getriebene.

 

 

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