Aufgrund einer hippen, mit blinkenden Lichtern, Schweißbändern und MP3-Player ausgestatteten Nacht-Geherin landet ein Auto mit drei Männern im Straßengraben. Ohne Möglichkeit sich selbst zu befreien, harren sie mit Sekt und Heringssalat in ihrer Limousine aus und warten auf Rettung. Die Stunden vergehen, die Tage vergehen, doch, wie die Filmmusik von Element of Crime vorwegnimmt, »die Kavallerie kommt heut’ nicht mehr«.
Die Situation ist grotesk: Zwei Österreicher sind mit einem dieser unwitzigen deutschen »Comedians« in einem gründlich gepanzerten deutschen Auto gefangen. In diesem Biotop werden diverse gesellschaftliche Absurditäten satirisch verarbeitet. Von peinlichen und zugleich belanglosen Sexgeständnissen, über Mitmach-Po-Training aus dem Radio, bis hin zum psychopathischen Jugend-Forscht-Teilnehmer Toni, der die Verunglückten als Versuchsobjekte vereinnahmt. Leicht und locker entsteht so ein wunderbar kurzweiliger Film, der lange Zeit von der lebensbedrohlichen Situation ablenkt und diese gegen Ende gefällig verarbeitet.
Einziger Wehrmutstropfen ist, dass mit Heinz Strunk, Christoph Grissemann und Dirk Stermann zwar bewährte Satiriker, aber keine Filmprofis am Werk waren. Das Trio schrieb am Drehbuch mit und übernahm zudem die drei Hauptrollen. Den Dialogen ist oft anzumerken, dass sie von Buch-Autoren stammen, beispielsweise als sich die beiden Österreicher im neu gekauften Auto über dasselbe unterhalten. Generell ist der Film eher Buch. Die filmischen Mittel wie Montage und Ton unterstützen den Film zu selten. Die Enge im Auto ist, gewollt oder nicht, kaum spürbar. Zu selten, beispielsweise als Toni die Insassen mit lauter Musik traktiert, nutzt der Film all seine Möglichkeiten aus.
Was ich aus diesem Film mitnehme? Ein Lächeln, viel Hass gegen Jugend-Forscht-Kinder und den Vorsatz mehr Bücher von Strunk, Stermann und Grissemann zu lesen.
Nette Frage auf einem Fragebogen, den ich heute ausgefüllt habe. Da wurde mir mal bewusst, wie oft ich im Kino bin: 100 bis 150 mal pro Jahr, hochrechnet. Das ist schon verrückt!
Vergleicht man den Filmanfang von Halloween aus dem Jahr 1978 mit dem des aktuellen Remakes, offenbart sich bereits die grundsätzliche Differenz: Während der Low-Budget-Klassiker mit einer unendlich langen subjektiven Kamerafahrt besticht, die die Sicht des jungen Psychopathen Michael Myers einnimmt und in einer unheimlichen Art und Weise das Geschehen im nächtlichen Elternhaus aus nächster Nähe darstellt, findet man sich zu Beginn von Rob Zombies Remake umringt von brüllenden Freaks wieder: »Scheiße, Titten, Pimmellutscher, Schwuchtel, Schlampe.«
Starke Worte, die bezeichnend sind für die unsensible Vorgehensweise des Regisseurs. Statt eine subtile Grusel-Atmosphäre zu schaffen, die einen plötzlichen Schock um so stärker auf mich wirken lassen würde, ist Halloween 2007 permanent laut. Dabei zeigt die Kamera häufig zu viel, ohne wirklich zu erschrecken. Beispielsweise die Großaufnahme eines blutüberströmten Tieres: Diese Bilder begegnen uns täglich auf der Landstraße. Gerade das »nicht-zeigen« des Äußersten birgt aber die Möglichkeit Grusel zu erzeugen – die Bilder des Schreckens entstehen im Kopf des Zuschauers. Selbst die einzelnen Kampfszenen sind überraschend langweilig, jeder durchschnittliche Hollywood-Film verarbeitet das Zusammenspiel von Messer und Körper spannender.
Die Versuche die Handlung der Charaktere, beispielsweise durch plumpe Dialoge wie »Du hast seit 15 Jahren nicht mehr gesprochen«, zu motivieren, schlagen fehl. So stirbt Figur um Figur, ohne dass meine Gefühle berührt werden oder die Handlung vorangebracht wird. Es ist, als ob der Film ständig um ein und dasselbe Thema kreist: Man sieht die Brüste eines Cheerleaders – im Hintergrund taucht der Psychopath auf – das Mädchen entdeckt ihn, kreischt für eine gefühlte Minute – die Kamera wackelt und plötzlich fließt Blut.
Der Film ist weder Fisch noch Fleisch, weder ein spannender Grusel-Schocker, noch ein brutaler Splatter-Film. Die wenigen guten Einstellungen, wie eine schräge POV-Einstellung aus der Sicht des Opfers, oder die unglaublich brutal wirkende Szene des jungen Mike mit seinem Opfer im Wald können nicht über die schwache Gesamtleistung hinwegtäuschen. Dieser Film berührt mich nicht und kann allenfalls noch rülpsende Jugendliche begeistern, für die die Mischung aus Fäkalsprache, Rock’n Roll und Soft-Porno wie geschaffen scheint.
Was ist Leben, was ist Traum, Tod und Film? Der Regisseur und Drehbuchautor Christian Petzold spielt in »Yella« mit der Vermischung dieser Elemente und verweigert dem Film eine klare Aussage.
Stattdessen werden Fragen aufgeworfen: Weshalb diese Überladung mit nach Aufmerksamkeit heischenden Zeichen? Die roten Kleider von Yella, die roten Autos ihrer (Ex-)Liebhaber, die kühlen blauen Hotelzimmer, die blauen Hemden der Private-Equity-Manager? Weshalb die konservative Paradigmenwahl? Im Osten die liebenswerte Heimat mit glatzigen Arbeitern, die in Häusern mit gemusterten Küchenkacheln wohnen, und im Westen die erfolgreichen Manager in leeren Büros, deren Lieblingsbeschäftigung es scheint, dem Gegenüber das Geld aus der Tasche lügen? Was wollen uns die immer wiederkehrenden Motive wie Wind, Krähen, Wasser und Fahrten mit Auto und Bahn sagen? Vielleicht dass sich Yella auf einer end- und hoffnungslosen Reise befindet, die gleichzeitig eine Flucht vor ihrer gescheiterten Liebe und die getriebene, naive Suche nach Erfolg und Geborgenheit ist? Vielleicht.
Sicher hingegen ist, dass Harun Farockis Dokumentarfilm »Nicht ohne Risiko« wie in einem Traum in Petzolds Film eingewoben wurde. In der Welt der Private-Equity-Manager agieren Yella und ihre neue Liebe Philipp mit schlafwandlerischer Sicherheit. Fachlich sind sie ein ideales Paar, privat hingegen nicht. Philipp unterscheidet sich von ihrer alten Liebe nur durch den momentanen finanziellen Erfolg. Die Beziehung und Yellas Leben scheinen täglich zu scheitern und wieder von neuem beginnen zu müssen, ohne Fortschritte zu machen.
Der Film endet in albtraumhaften Szenen und regt durch die Zeichenvielfalt und die offene Narration zum Nachdenken an. Über Leben, Traum, Tod und Film.
Da ich dieses Semester das Privileg habe, Filmkritik studieren zu dürfen, werde ich ab und zu mal meinen Senf zu diversen Filmen abgeben. Und das nicht, weil ich das so gut könnte (ha ha), oder immer Recht hätte (ha ha ha), sondern einfach nur als Übung, also habt bitte Nachsicht.
Gestern war ich im Lichthaus und habe Fatih Akins »Auf der anderen Seite« gesehen. Ich habe lange überlegt, wie ich den Film in einem Satz zusammenfassen würde.
So: »Unzählige Parallelen und zwei Tangenten: Der Tod und das Leben.«
Ich weiß – das ist schlichtweg der Hammer.
Naja, da ich mir während des Films meinen Kopf zerbrochen habe, wollte ich das einfach mal geschrieben haben.
Stanley Kubrik: Dr. Seltsam oder: Wie ich lernte, die Bombe zu lieben.
(1964 – Dr. Strangelove or: How I learned to stop worrying and love the bomb)
Irgendwie seltsam – ein über 40 Jahre alter Schwarzweißfilm, dessen Produktionstechniken und zeitlicher Kontext längst überholt sind, hat nichts von seiner Aktualität und Qualität eingebüßt
Die bissige Satire strotzt vor lächerlich überzeichneten Stereotypen, wie dem wahnsinnigen US-General Jack D. Ripper, der ohne das Wissen seiner Regierung eine Flotte Atombomber in Richtung Sowjetunion schickt. Der überforderte US-Präsident Muffley versucht den nuklearen GAU zu verhindern, doch die Feinde sitzen in seinen Reihen. Zum einen ein waffenvernarrter General, der darauf drängt, die übermächtigen Kriegssysteme zu erproben, und zum anderen Dr. Seltsam. Der emigrierte NS-Wissenschaftler begeistert die Regierung von seiner Vision, nach dem GAU eine neue Elite zu schaffen. Sein sich gegen seinen Willen zum Hitlergruß streckender Arm offenbart welcher Geist in ihm steckt – die Riege der Männer steuert geradlinig auf den Untergang zu.
Regisseur Stanley Kubrick behandelt ein Thema, welches ihn in seinem Film »2001 – Odyssee im Weltraum« noch einmal beschäftigen sollte: Die moderne Gesellschaft errichtet ein scheinbar unfehlbares System, das sich letzten Endes durch Inhumanität auszeichnet und sich gegen die ohnmächtigen Menschen wendet. Analog zur Struktur der US-Befehlsgewalt verhindern die vermeintlich zuverlässigen Kommunikationsmedien die Verbindung der wenigen Handlungsorte. Die entstehende Enge wird von dunklen Kulissen, Low-Key-Aufnahmen, wenigen Tageslichtszenen und den Schwarzweiß-Bildern verstärkt, jedoch durch brillante Banalitäten in den brisantesten Situationen gebrochen: »Gentlemen, you can’t fight in here! This is the War Room«. Die Tatsache, dass die Handlung des Filmes in Echtzeit abläuft vergrößert die Spannung.
Der große Spagat zwischen Humor und Anspruch wurde perfekt umgesetzt. Letztlich wird der Zuschauer mit einem lachenden Auge und einem beklemmenden Angstgefühl alleine gelassen, zu dessen Ursache man eines mit Sicherheit sagen kann: »We’ll meet again«