film & tv rezensionen und empfehlungen 24/7

»Aus gegebenem Anlass«, mein Kommentar


 
ein beitrag von Michael P. Wagenhaeuser
 
18. Oktober 2008
00:04 Uhr
 
7 kommentare

 

 

Tja, nun ist es vorbei, das Gespräch zwischen Herrn Gottschalk und Herrn Reich-Ranicki. Was es gebracht hat? Wenig. Bestimmt eine hohe Quote für das ZDF und die Tatsache, dass sich die Zuschauer Gedanken über das Fernsehen gemacht haben. Mitnehmen konnte man von den beiden Herren wenig. Beide konnten ihren Standpunkt nicht aufgeben und beide hatten Unrecht.

Thomas Gottschalk hielt sich zurück und schien sehr gut vorbereitet. Er zeigte sich als Fernsehkenner, reflektierte und resignierte. Seiner Meinung nach wird man das Fernsehen kaum verändern können, da es stark an der Quote hängt. Es wird gezeigt, was gesehen werden will.
Damit hat er zum großen Teil natürlich recht. Aber zum einen gibt es die Öffentlich-Rechtlichen, die eben nicht nach der Quote ausstrahlen müssen. Ich verstehe sowieso nicht, warum es auch in der ARD und ZDF Soaps und Kochsendungen geben muss. Dies bieten doch alle Privatsender auch, das hat mit Grundversorgungsauftrag doch nichts zu tun. Warum nicht hier mal etwas wagen und statt Soaps etwas anderen ausprobieren?
Das andere Argument gegen »es wird gezeigt, was gesehen werden will« ist, dass die meisten Menschen zwar mit wenig zufrieden sind, es aber nicht sein sollten. Selbst wenn sie unzufrieden sind, was an dem großen Interesse an der Sendung wohl abzulesen ist, haben sie entweder nicht die Motivation oder die Möglichkeit dies zu äußern. Es gibt einfach kein Instrument, um auf das große Sendemedium Fernsehen entsprechend zu reagieren.
Das Feuilleton, auf das Gottschalk kurz schimpft, ist sicherlich nicht Schuld am schlechten Fernsehen, es ist höchstens zu schwach beziehungsweise in den Zeitungen deplatziert. Denn das Feuilleton bestraft nicht grundsätzlich die »Quotenverlierer«, wie Gottschalk behauptet. Das Feuilleton mag beispielsweise Harald Schmidt, und zwar zurecht – trotz schlechter Quoten und teilweise langweiliger Sendungen. Er verbindet Unterhaltung und Inhalt.

Marcel Reich-Ranicki hat wenig Ahnung vom Fernsehen. Er will Fernsehen für Gebildete. Er verwechselt Atze Schröder und Helge Schneider, wie ich Faust mit Werther (haha). Er ist Literaturkritiker und »kritisiert«. Aber »kritisieren« bedeutet nicht nur zeigen was schlecht ist, sondern auch aufzeigen zu können warum, wo und was man besser machen müsste, wie das Fernsehen sein könnte und sollte.
Es ist natürlich interessant zu sehen, dass selbst hochintelligente und gebildete Menschen keinen konkreten Zweck des Fernsehens nennen können. Wohl, weil es viele gibt. Meiner Meinung nach, da schließe ich mich Herrn Reich-Ranicki an, muss das Fernsehen in erster Linie unterhalten, darf aber dabei den Inhalt nicht vergessen – und das geht. Es geht bei Schmidt, Switch, Willi Wills Wissen und was weiß ich wo. Es geht bei guten Filmen wie Fightclub, Apocalypse Now, American Beauty, Metropolis, und und und, die Liste ist unglaublich lang. Sie unterhalten und sie können mir, wenn ich mich hineindenken möchte, »mehr« geben.

Fernsehen muss also nicht, wie beide meinen, Sendungen für Gebildete machen. Fernsehen muss sinnvoll unterhalten.

Was nun übrig bleibt, ist eine Diskussion, Aufregung und das Wissen, dass Fernsehen beschissen ist. »Eine Banalität die jeder sagen könnte«, aber nur bei wenigen eine solche Reaktion auslöst. Dafür vielen Dank, Marcel Reich-Ranicki.

Es sind eben doch Veränderungen nötig und für Veränderungen ist Kritik nötig, sonst bekommt man, was man hinnimmt.

PS: Marcel Reich-Ranicki hat definitiv recht, Herr Gottschalk: Atze Schröder wird auch in 200 Jahren nicht als Shakespeare seiner Zeit angesehen – was für ein grauenhafter Gedanke.

 

 

TV-Tipp Samstag, 18. Oktober 2008: 12 Monkeys (DasErste)


 
ein beitrag von Michael P. Wagenhaeuser
 
17. Oktober 2008
16:20 Uhr
 
1 kommentar

 

 


FKE {Filmkritikereinheiten}: ★★★★★★★☆☆☆  7/10

Sendetermin: Samstag, 18. Oktober 2008, 22.15 Uhr bis 0.20 Uhr, DasErste
Wiederholungstermin: –

Englischer Originaltitel: »Twelve Monkeys«, USA 1995, 129 Minuten;
Regie: Terry Gilliam; Darsteller: Bruce Willis, Madeleine Stowe, Brad Pitt;

»Wie bizarr 12 Monkeys auch sein mag, ich hoffe, es ist eine angemessene Reflexion unserer Wirklichkeit.« Terry Gilliam

Rotten Tomatoes Wertung 87%IMDB Top-Movie #184 (Wertung 8.1)

Filmkritiken: Max Herrmann/artechock.de Georg Seeßlen/filmzentrale

 

 

Marcel Reich-Ranicki beim »Deutschen Fernsehpreis 2008«


 
ein beitrag von Michael P. Wagenhaeuser
 
17. Oktober 2008
14:11 Uhr
 
3 kommentare

 

 


Ich muss es auch zeigen, einfach weil es zeigenswert ist: Marcel Reich-Ranicki lehnte seine Auszeichnung für sein Lebenswerk beim »Deutschen Fernsehpreis 2008« am vergangenen Sonntag ab. Nun sagt mal einer dort wo es hingehört, dass vieles beschissen ist und was passiert – das Publikum klatscht. Brav wie es sich für ein Publikum gehört – wie man auch »Atze Schröder« und »Deutschland sucht den Superstar« beklatscht.

Heute Abend, um 22.30 Uhr im ZDF, spricht nun Marcel Reich-Ranicki ausgerechnet mit Thomas Gottschalk über den Qualitätsverfall im Fernsehen. Ausgerechnet Gottschalk, ich weiß schon, wie das abläuft: Früher waren Fernsehen und Musik noch besser, es muss mehr auf Bildung geachtet werden, und und und. Jaja. Es ist ja auch nicht so, dass es mehr Literatursendungen geben müsste, höchstens andere – gelesen werden muss schließlich immer noch selbst. Aber egal, wieder zu Gottschalk.

Man muss eingestehen, dass Gottschalks Wetten Dass früher wirklich besser war und auch heute nicht zu den schlechtesten Sendungen gehört. Aber auch früher gab es Mist, viel sogar. Und vieles was früher mal gut war, ist es heute nicht mehr. Was soll ich denn zum Beispiel mit einem Playback-Hit-Medley von Foreigner anfangen, wie es mir vor zwei Wochen bei Wetten Dass dargeboten wurde? Das ist doch peinlicher alter Kram, der überhaupt nicht in unsere Zeit passt. Auch so kann man eben schlechtes Fernsehen machen, belangloses Fernsehen.

 

 

Filmkritik: Der Baader Meinhof Komplex


 
ein beitrag von Susanne X. Wagner
 
10. Oktober 2008
15:05 Uhr
 
31 kommentare

 

 

In den ersten und den letzten Szenen des Films gibt es idyllische Bilder. Zu Beginn zwei Mädchen, die in der Nordsee planschen, während ihre Mutter im Strandkorb liest. Zum Schluss ein herbstlich belaubter Wald in Goldtönen. Was dazwischen passiert kann ich nicht beschreiben, weil hier keine Geschichte erzählt wird. Stattdessen reiht der Film in chronologischer Reihenfolge Situationen und Ereignisse aneinander, die sich zwischen 1968 und 1977 in Deutschland, dem Irak, in Somalia und anderen Ländern der Welt zugetragen haben oder so zugetragen haben mögen. Ulrike Meinhof mit ihren Kindern am Strand. Der ‚Polizeistaatsbesuch’ des Schahs. Gudrun Ensslin in einem Streitgespräch mit ihrem Vater über den „imperialistischen Expansionskrieg der USA in Vietnam“. Ein brennendes Kaufhaus. Baader und Ensslin vor Gericht. Die erste Befreiungsaktion. Die ersten Toten. Flugschriften. Die Banküberfälle. Die nackten, fliehenden Kinder in Vietnam. Die Anschläge auf amerikanische Militärbasen. Körper, die vor Kugeleinschlägen erzittern.

Es folgt Bild auf Bild, Aktion auf Aktion, Diskussion auf Diskussion und es gibt nichts, woran ich mich festhalten könnte, kein Bild, keine Szene die als Aufhänger dienen, an der man festmachen könnte: An dieser einen, zentralen Stelle zeigt der Film verdichtet das, was er zeigen will. So etwas wie ein zentrales Bild gibt es im Baader-Meinhof Komplex nicht, der Film konzentriert sich auf nichts. Stattdessen zeigt er so viel, dass ich nach der letzten Einstellung (der Kopf des erschossenen Hans Martin Schleyer sinkt auf den belaubten Waldboden) sprachlos das Kino verlasse und erst mal versuchen muss all die Bilder in meinem Kopf zu ordnen und in Beziehung zueinander zu setzen.

Die Kamera bewegt sich oft mit den Terroristen durch die Räume, schwenkt über den Flur zu einer Tür und betritt mit ihnen ein Zimmer. Sie bleibt auch einmal am Türrahmen stehen, fast so als halte sie Wache, während eine Terroristen die Bombe hinter einem Regal versteckt. Die Kamera nimmt mich als Betrachter immer mit. Sie schiebt mich mitten hinein in die Unruhen zwischen den Studenten und den Anhängern des Schahs, ganz nach vorn, in Reichweite der Wasserwerfer. Ich werde zum Mitwisser, als der erste Brandanschlag geplant wird. Aus der Perspektive eines kleinen Mädchens beobachte ich aus dem Fenster wie Andreas Baader ins Bein geschossen und wie er verhaftet wird. Ich stehe auch hinter Ponto, als er Brigitte Mohnhaupt die Tür seines Hauses öffnet, so wie ich mit den Wärtern die Zellentüren im Stammheimer Gefängnis öffne und die Leichen der Inhaftierten finde.

Nur zum Schluss hält die Kamera sich kurz fern. Während die Schüsse auf Schleyer zu hören sind, zeigt sie den goldenen Herbstwald. Ich hatte mich gerade damit abgefunden, dass ich so haltlos durch diesen Film gerissen werde, wie wahrscheinlich auch die Deutschen in den siebziger Jahren durch den Terror der RAF Sicherheit und Orientierung verloren.
Aber dann erscheint der goldene Wald in der vorletzten Einstellung. Nach den vorangegangen zwei Stunden wirkt dieser natürlich überhaupt nicht idyllisch. Irgendwie stört diese Einstellung gewaltig, weil sie die Phrase vom „deutschen Herbst“ aufdrängt und diese Metaphorik unglaublich schwach und simpel wirkt im Vergleich zu sämtlichen Bildern, die der Film bis hier hin zeigte. So sticht dieses eine Bild doch heraus, aber nur, weil es dem Rest des Films nicht gerecht werden kann.

 

 

Reaktionen auf die Reaktionen der Börsen


 
ein beitrag von michael p. wagenhaeuser
 
10. Oktober 2008
10:52 Uhr
 
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Schaut man heute morgen n-tv oder cnn sieht man Galgenhumor in Reinform: Die Moderatoren bekommen keine geraden Sätze heraus, kichern und scherzen.

 

 

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