Hey ihr Trendexperten im Fernsehen! Ich hab einen neuen Trend für euch ausgemacht, den ihr vielleicht mit eurem Geschwätz begleiten und damit euer Ego und euren Geldbeutel ein bisschen aufpeppeln könnt.
Zur Zeit total IN: Trendexperten!
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Der SPIEGEL machte gestern abend mit seiner Uni-Gesprächsreihe in Weimar Station. Andreas Borcholte im Gespräch mit Regisseur Volker Schlöndorff. Dieser hatte kurz vor dem Gespräch mit seiner harrschen Kritik an der Defa (nachzulesen hier) für die vermeintlich beste Publicity gesorgt. Dennoch ist das Audimax der Bauhaus-Universität an diesem Abend zwar gut besucht, aber nicht voll – der Weimarer Tatort begeisterte weitaus mehr Menschen. Gespannt sind die Anwesenden dennoch.
Das übergeordnete Thema des Abends sollte laut Ankündigung über den Konflikt zwischen Dokumentation und Dramatisierung, über die deutsche Befangenheit im Umgang mit der eigenen Geschichte – und die Unterschiede zwischen dem Autorenfilm der siebziger Jahre und dem Neuen Deutschen Film von heute handeln. Und leider war dem auch so. Nicht, dass Volker Schlöndorff nicht viel zu dem Thema zu sagen hätte, als Regisseur von ‘Die Stille nach dem Schuss’ steht er tief in der Materie. Doch im Prinzip kommen alle Antworten immer wieder auf ‘Baader Meinhof Komplex’ zurück. Dass Schlöndorff diesen Film nicht mag, sagt er ganz unverholen. Dass er daran kein gutes Wort lassen kann, weil er sich mit Uli Edel und Bernd Eichinger überworfen hat, ebenso. Warum dann dennoch immer wieder um dieses Thema gekreist werden muss, ist aber unverständlich. Zwar gibt es auch einen Gesprächsblog über Schlöndorffs Oscar-Preisträger ‘Die Blechtrommel’, insgesamt ist das Interview jedoch zu einseitig. Mehr Abwechslung hätte dem ganzen sicher gut getan.
Andreas Borcholte mag ein guter Redakteur sein, ein guter Fragenstellter, Interview-Partner und Gesprächsleiter ist er nicht. Er wirkt ebenso wie alle anderen im Raum wie ein interessierter Zuhörer. Er schafft es nicht, die teils recht ausschweifenden Antworten Schlöndorffs zu unterbrechen oder gut zu lenken. Seine Fragen wirken manchmal wie ein starres Korsett, sind nicht angepasst oder wandelbar. Und manchmal auch total unnötig (‘Würden Sie den Film heute nochmal genau so drehen?’ ist so ziemlich die unnötigste Frage überhaupt). So wird die Defa-Kritik gar nicht angesprochen, auch nicht aus dem Publikum heraus, was für Weimar doch verwunderlich ist. Eine einzige Frage an diesem Abend behandelt nicht Das Thema RAF oder ’Die Blechtrommel’. Zu wenig bei einem so vielseitigen und erfahrenen Regisseur und Menschen wie Volker Schlöndorff.
So endet das Gespräch zwar nicht enttäuschend, aber unbefriedigend, weil schlicht und ergreifend zu viele Dinge ausgespart wurden. Hier wurde eine große Chance etwas leichtfertig vertan. Am Ende kann man nur sagen, dass man das SPIEGEL-Gespräch an unserer Uni war und wir Volker Schlöndorff live gesehen und gehört haben. Immerhin.
007 ist tot. Verantwortlich ist keiner dieser fiesen Schurken wie Dr. Julius No, Ernst Blofeld, oder Francisco Scaramanga, denen man diesen Erfolg nach all den Jahrzehnten mal gönnen würde, sondern Schuld sind die Filmemacher des aktuellen Streifens »Ein Quantum Trost«.
Damals, 1964 in Goldfinger, als Sean Connery zu Beginn aus dem Wasser auftaucht, locker und zielgerichtet eins/zwei Handlanger niederstreckt, einen Sprengsatz in einer Fabrik platziert und anschließend top gestylt im Smoking auf einer Party auftaucht um mit einer hübschen Frau zu flirten – da war die Welt noch in Ordnung.
»Ein Quantum Trost« hingegen beginnt mit einer dieser ›aufregenden‹ Wackelkamera-Szenen und auch der Rest des Films ähnelt mit seinen aneinander gereihten Actionszenen eher einem typischen Hollywood-Werk wie »Die Bourne Identität«, als einem James-Bond-Film.
Wir trauern um einen souveränen Agenten, der über den Dingen stand, der immer Zeit für einen geschüttelten Wodka-Martini hatte und sich mit seinen Hightech-Gadgets seinen Weg freischlug. Einem charmanten Sonnyboy, der während er die Welt vor geisteskranken Bösewichten rettete, noch ein paar Frauen verführte.
Was in »Ein Quantum Trost« bleibt ist der personifizierte Zweifel in Form von Daniel Craig. Seine Rolle ist muskelbepackt, schnell und verletzlich. »You look like Hell«, sagt M, »realistischer und menschlicher« nennen es die Macher.
So kann man an der aktuellen Entwicklung der Bond-Filme die zwei Pole des Kinos erkennen: Traum und »Realität«. Ich wünsche mir wieder den »unrealistischen« Bond zurück, der mich für ein paar Stunden in seine Welt entführt. Vielleicht besteht noch ein funken Hoffnung.