film & tv rezensionen und empfehlungen 24/7

Ein Selbstgespräch über Hanami – Kirschblüten, engl. Cherry Blossoms


 
ein beitrag von michael p. wagenhaeuser
 
23. Februar 2008
09:38 Uhr
 
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Ein Selbstgespräch über Doris Dörries Film »Kirschblüten – Hanami«

Michael: Was für eine Handlung: Trudi, gespielt von Hannelore Elsner, erfährt von den Ärzten, dass ihr Ehemann Rudi (großartig: Elmar Wepper) bald sterben muss. Sie erzählt ihm nichts und überredet den mürrischen Beamten zu einer letzten Reise zu ihren Kindern nach Berlin und anschließend zu einem Ausflug an die Ostsee. Dort stirbt jedoch nicht Rudi, sondern Trudi. Der verstörte Ehemann versucht das Leben seiner Frau zu verstehen und entdeckt ihre tiefe Faszination für die japanische Kultur: Butoh-Tanz, Kimonos, »Mount Fuji« und das Kirschblütenfest »Hanami«. Rudi begibt sich zu seinem Sohn nach Tokio, um dort den Geist seiner verstorbenen Frau zu suchen. Ein bayerisches Ehepaar, Berlin, Tokio und der Tod – ganz schön viel auf einmal, oder?

Herr Wagenhäuser: Hm, als ich zum ersten mal von dem Film hörte, dachte ich auch: Oh nein, nicht schon wieder ein Mainstream-Film, der mit einer gespreizten Handlung auf die Tränendrüse drückt. Aber der Film ist viel geschickter, er ist nicht kitschig, sondern ambivalent – denn Dörries Blick auf die Menschen ist liebevoll. Deshalb empfinde ich gleichermaßen Verständnis für das ländliche Ehepaar, wie auch für deren Kinder, die keine Zeit haben sich um die plötzlich auftauchende Eltern zu kümmern. Ich lache mit ihnen. Ich schmunzle über den hilflosen Rudi in der Großstadt Tokio und ich empfinde Mitgefühl für den geschminkten, Kimono tragend Rudi am »Mount Fuji«.

Michael: Sie meinen eine »nette« Geschichte also. Aber fanden Sie dieses Szene im japanische Butoh-Tanztheater, das Trudi in Berlin unbedingt besuchen möchte, nicht auch etwas fremdartig?

Herr Wagenhäuser: Genau, aber dieser Butoh-Tanz ist schließlich für den Ehemann genauso befremdlich wie für mich und erst im Laufe des Films lernen wir – der Ehemann und ich als Zuschauer, diese Eigenart seiner Frau zu schätzen. Generell würde ich sagen, dass vieles sehr intelligent vermittelt wird. Die lange Stille, als Rudi alleine in sein leeres dunkles Haus zurückkehrt und sein Blick, der auf das zweite Paar Pantoffeln fällt und seine Unbeholfenheit beim anziehen seines Jäckchens.

Michael: Sie sind ja richtig begeistert. Dennoch, Sie haben doch bestimmt noch etwas an dem Film auszusetzen, oder?

Herr Wagenhäuser:
Sie scheinen mich gut zu kennen! Sicherlich: Zunächst fiel mir die wackelige Kameraführung und die unsaubere Optik des Films auf, die den mobilen DV-Kameras geschuldet ist – ein Stativ hätte hier geholfen. Störend fand ich allerdings vereinzelte grafische Effekte, wie die gefärbten, ruckelnden Bilder vom Meer – keine Ahnung, was mir diese Effekte vermitteln sollten.
Neben den optischen Aspekten würde ich sonst noch die übermäßige Anzahl an Symbolen kritisieren: Die Schönheit und Vergänglichkeit der Kirschblüten hätte ja schon ausgereicht, um einen Querverweis auf das Leben zu ziehen, aber dann tauchen philosophische Weisheiten über Eintagsfliegen auf, und dann auch noch Raben, die wohl ein Symbol für »Einsicht und Gotteserkenntnis« sein sollen. Naja, wer‘s mag – ich fand es ein bisschen zu viel. Die Zuschauer um mich herum haben gegen Ende ja nur noch geschnieft und sich die Tränen aus dem Gesicht gewischt. Sogar ich hatte feuchte Augen, das will was heißen. Schlecht kann der Film also nicht sein – im Ernst, ich finde ihn richtig gut.

 

 

Filmkritik: Transsibirian, Brad Anderson, 111 Minuten


 
ein beitrag von michael p. wagenhaeuser
 
10. Februar 2008
17:12 Uhr
 
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Mit der Transsibirischen Eisenbahn durch »the wild wild east«, von Peking nach Moskau: Was für ein Abenteuer für den gläubigen Eisenbahnfan und seine Frau.
Draußen in grün getauchte Kälte und eine Eisenbahn die durch schneebedeckte Wälder rattert. Drinnen Wärme, ein befreundetes Pärchen, Vodka mit den Einheimischen und ansprechende Weisheiten wie »Life is a journey, not a destination« – wie schön. Dies alles wird begeistert von der Protagonistin mit ihrer Canon EOS 400D festgehalten. Doch irgendwann kippt und beschleunigt sich der Film: Asien und besonders Russland ist keine Sightseeing-Idylle für amerikanische Touristen – »but we‘re Americans!« – sondern Realität, und allein der Glaube an das Gute und die Wahrheit führen nicht zwangsläufig zum Besten, wenn es das Schicksal anders will.

Gesehen am 10. Februar 2008 im Cinemaxx auf der Berlinale;

 

 

Lake Tahoe, Wettbewerbsfilm Mexiko, Fernando Eimbcke


 
ein beitrag von michael p. wagenhaeuser
 
10. Februar 2008
16:33 Uhr
 
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Gesehen am 9. Februar 2008 im Berlinale Palast, Weltpremiere;

Stilvoll konstruierte Bilder, die Arbeit unzähliger Könner und viel Herzblut der Beteiligten – all das scheint in »Lake Tahoe« zu stecken – doch reicht das für einen guten Film? Ich meine in diesem Fall leider nicht.
Denn Lake Tahoe langweilt und zwingt selbst den Härtesten in den Kampf mit der Müdigkeit. Die Story ist schnell erzählt: Ein sehr junger Herr setzt auf schnurgerader Straße seinen Wagen, einen Nissan Tsuru, gegen einen Mast und muss für die Reparatur und die Beschaffung des Ersatzteiles, die Halterung eines Verteilerkastens, allerlei Qualen über sich ergehen lassen – und mit ihm ich: Mal eben Babysitten, den Hund des Werkstattbesitzers ausführen oder einen »Bruce Lee«-Film anschauen. Dabei hat es der Protagonist »eigentlich eilig«, der Regisseur offensichtlich nicht, sondern er streckt die Einstellungen extrem lang.
Mit statischen, sorgsam austarierten Bildausschnitten – »Film gewordenen Fotografien« – wird die Handlung begleitet. Mal hastet der Junge von links durch das Bild, mal von rechts, die Einstellung bleibt noch eine Weile. Gesprochen wird kaum. Mal schließt sich mein linkes Auge, mal das rechte, oft beide. Grund für diese (filmische) Apathie ist wohl, wie erst spät im Film bekannt wird, der Tod des Vaters.
Verurteilen kann ich den Film nicht, da es sich hier anscheinend um ein Andenken an den verstorbenen Vater des Regisseurs handelt, aber gut finden muss ich dies auch nicht.

 

 

My Blueberry Nights, Kar Wai Wong, HK/C/F 2007


 
ein beitrag von michael p. wagenhaeuser
 
28. Januar 2008
18:51 Uhr
 
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Elizabeth: So what’s wrong with the Blueberry Pie?
Jeremy: There’s nothing wrong with the Blueberry Pie, just people make other choices. You can’t blame the Blueberry Pie, it’s just… no one wants it.

Eine Heidelbeertörtenchendiskussion steht im also Zentrum des Films.

Leider weiß ich das philosophische Potential des seltsamen Dialogs nicht zu schätzen, ich kann aber diese Szene in die Handlung einordnen: Die hart arbeitende Elizabeth (auch gerne Betty, Beth oder Lizzy genannt) trifft, nachdem sie sich gerade von ihrem Freund getrennt hat, auf den eigenbrödlerischen Sunnyboy Jeremy. Dieser betreibt ein kleines Restaurant mit vielen bunten Lichtern in New York. Anstatt jedoch zu arbeiten, raucht Jeremy viel lieber selbstgedrehte Zigaretten und gibt den verkannten Philosophen. Seine Weisheiten über Schlüsselbunde und Törtchen beeindrucken die traurige Lizzy weit mehr als mich.

Analog verhält es sich mit den aufdringlichen Stilmitteln, die mir von der Leinwand entgegentreten: Unschärfe, Zeitlupen, Raffer, ruckelnde Bilder, Neonlichter, Fensterscheiben, nächtliche Großstadt. Hier mal die Nahaufnahme eines Kuchens, der mit Soße übergossen wird, und da plötzlich das Rattern einer Bahn, die an mir vorbei rast – ja doch, ich verstehe schon, dieser Film will als unangepasster Autorenfilm angesehen werden. Wirklich störend empfand ich die Montage der standpunktlosen Bilder. Der Betrachter scheint keinen Ort zu haben, jede Einstellung erfolgt aus einem anderen Blickwinkel. Zugegeben, dies kann man wirkungsvoll einsetzen, aber Stilmittel nur des Stilmittels wegen, naja.

Die seltsam schönen Stimmungsbilder dominieren dabei eindeutig die langweilige Handlung: Nachdem Jeremy die braunäugige Betty um den Finger gewickelt hat, beschließt diese »lieber den weiteren, als den kurzen Weg zu nehmen«. Was folgt ist eine langweilige Road-Movie-Heldenreise durch die USA, die nach einem Jahr, ohne Veränderung der Hauptfigur wieder in New York endet. Wie sie endet, ist von Anfang an klar: mit einem Kuss.

Hm, kitschig, schön anzuschauen, aber irgendwie langweilig – da war doch was. Ach ja! Wie konnte ich das vergessen: Norah Jones, Ms. Easy-Listening, spielt die hübsche Beth und liefert zugleich Teile der Filmmusik.

 

 

Idee einer Filmkritik zu I am Legend


 
ein beitrag von michael p. wagenhaeuser
 
27. Januar 2008
01:08 Uhr
 
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Ganz schön viel Product-Placement – das sollte ich definitiv in meine Filmkritik schreiben. Der Streifen beginnt sogar mit einem blank polierten Mustang Shelby GT 500, der ausgiebig, aus allen Blickwinkeln, für gefühlte drei Minuten präsentiert wird und schließlich nie mehr auftaucht. Zudem stammen alle anderen Autos ebenfalls aus dem Ford-Konzern – ich möchte nicht wissen, was das gekostet hat. Ach ja, und dann waren da ja auch noch die ganzen Apple-Produkte. Eigentlich ist dies für die Handlung nebensächlich, aber ich sollte es in meiner Filmkritik erwähnen. Product-Placement nervt, es reist mich immer aus dem Film.

Was sollte noch in die Filmkritik? Sicherlich eine kurze Angabe zur dürftigen Handlung: Der wohl letzte Überlebenden einer Epidemie in New York muss sich mit seinem Hund gegen unendlich viele Zombies verteidigen und gleichzeitig die Menschheit retten. Da kommt die Kombination aus Wissenschaftler und Soldat in Person von Will Smith gerade recht. Eigentlich hasse ich solche Storys, aber Herr Wendler sagt, dass man versuchen sollte, jeden Film zu mögen. Also gut, versuche ich das mal in meiner Filmkritik.

Sehr beeindruckend war der kräftige Sound im Kino – die Bässe spürte man deutlich am Körper. Kino ist in dieser Hinsicht unschlagbar. Nur wie drücke ich diese Begeisterung in meiner Kritik aus, also wie setze ich Ton in Schrift um? Alles nicht so einfach. Was ich auch noch erwähnen sollte, sind die Special-Effects – sehr detaillierte Zombies – Respekt. Aber will ich so etwas sehen? Was möchte mir dieser Film eigentlich vermitteln? Er macht keinen Spaß, ist kaum spannend und mein Gehirn schaltet sich ab. Das einzige Element, dass bei mir wirkt, ist der Schreck, da toppt »I am Legend« manchen Möchtegern-Horror-Streifen.

Mal sehen, was könnte man noch als positiv bezeichnen? Das Ende vielleicht: Es hat mich überrascht. Na gut, meine filmbeflissenen Freunde fanden‘s eher langweilig – ich sollte meine Überraschung wohl nicht erwähnen, ich will ja nicht als Trottel dastehen.

 

 

Am Ende kommen Touristen (And Along Come Tourists), Robert Thalheim, D 2007


 
ein beitrag von michael p. wagenhaeuser
 
17. Dezember 2007
16:21 Uhr
 
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»Uwaga« steht auf dem Zug, aus dem Sven aussteigt – Achtung! Der junge Deutsche leistet im polnischen Oswiecim seinen Zivildienst: Er soll den ehemaligen Häftling Krzeminski pflegen. Sven beginnt sich mit der Geschichte des »sensiblen Ortes« auseinander zu setzen. Hinter seinem Rücken wird getuschelt: »Ob Svens Opa auch schon hier in Auschwitz war?«

Herr Krzeminski lebt noch immer in dem ehemaligen Konzentrationslager, repariert die Koffer der ermordeten KZ-Häftlinge und berichtet für die Belegschaft ausländischer Unternehmen von seinen Leiden. Doch seine Anstrengungen werden nicht geschätzt. Die Wissenschaftler möchten die geschichtlich wertvollen Koffer lieber konservieren und die Unternehmen sich möglichst schnell durch ihr geheucheltes Mitleid ihrer geschichtlichen Verantwortung entledigen.

»Am Ende kommen Touristen« ist kein pathetischer Lehrfilm über den Holocaust, der vom Zuschauer Mitleid und Tränen fordert. Es gibt keinen harten Kontrast zwischen Deutschen und Polen, ganz im Gegenteil: Eine zarte Liebesgeschichte verbindet die beiden Völker und zeigt dennoch, dass die geschichtliche Wunde nicht verheilt ist.

Die offene Geschichte lässt mich nachdenken. Auch über mich, der nur wenige Kilometer entfernt von einem ehemaligen Konzentrationslager lebt, aber noch nie da war, und über Menschen, die große Strapazen auf sich nehmen, um diesen Ort zu besuchen und sich nach der Führung am Postkartenständer eindecken.

 

 

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