Kritik am Fernseh-Konsumverhalten ist eine tolle Sache und auch das Aufzeigen des »moralischen Verfalls« und der zunehmenden Niveaulosigkeit des Fernsehens ist sicherlich angebracht. Aber bitte nicht auf diese Weise, Herr Weingartner.
Denn die gleiche Niveaulosigkeit, die Sie dem Fernsehen vorwerfen, unterstellen Sie uns, dem Publikum Ihres Films. Wir wissen schon, dass Fernsehen tendenziell eher verblödet als bildet. Wir können sogar, trotz jahrelanger fernsehbedingter geistiger Degenerierung, der Handlung Ihres Films leicht folgen. Es ist wäre also nicht nötig gewesen alle paar Minuten für uns zu wiederholen, wie böse doch diese reichen drogenkonsumierenden TV-Yuppys und wie gut die alkoholkranken Arbeitslosen sind. Gut und Böse, Schwarzweißmalerei.
Die von Ihnen beklagte Bloßstellung von Menschen im TV, in der fiktiven Show »Hol’ dir das Superbaby«, ist auch Ihrem Film nicht unbekannt. Bei Ihnen werden Christen als weltfremde Spinner dargestellt und verwirrte Ausländer belächelt. Sicherlich mit einem Augenzwinkern, aber doch auf einer ähnlichen Art und Weise.
Sie sind ein Weltverbesserer und scheinen zu wissen, wo die Wurzel allen Übels liegt. Schön. Doch Ihre verbissene antikapitalistische Phrasendrescherei macht den Film unerträglich: Proletarier aller Länder vereinigt euch, stellt eure Bierflasche auf den Couchtisch, erhebt euch und kämpft gemeinsam gegen die Ungerechtigkeit. Scheut euch dabei nicht illegale Mittel anzuwenden, denn Staat und Wirtschaft sind sowieso gegen euch. Wenn ihr dann noch auf eurem spirituellen Selbstfindungsweg aufhört zu koksen, ist euch die Liebe einer hübschen Frau schon in der nächsten Sekunde gewiss.
Eine sehr einfache und einseitige Sichtweise, die leider keinen seriösen Weg aus der Misere vorschlägt. Schade. Ich hätte mir einen Lösungsansatz gewünscht. »Free Rainer« ist auch nur Opium für das Volk, die Revolution bleibt vorerst aus.
Free Rainer, dein Fernseher lügt, D/A 2007; Produzent, Drehbuch und Regie: Hans Weingartner;





