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Filmkritik: Rusalka – Die Meerjungfrau


 
ein beitrag von knut s. spangenberg
 
2. Juli 2008
12:36 Uhr
 
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Russische Föderation 2007, Regie: Anna Melikian;

Vergnügt schwimmen die bunten Fische im Vorspann durch ihr Frottee-Aquarium, das den voluminösen Hintern einer Dame mittleren Alters bedeckt. Ein ungestümer One-Night-Stand in der Meeresbrandung, bei dem sich die Naturgewalten mit einschreiben in das Kind, welches vergeblich auf die Heimkehr des Vaters hoffen wird. Die kleine Meerjungfrau, das ist Alisa.

Die Fähigkeit der Wunscherfüllung ist ihr schon in die Wiege gelegt, aber erst auf der Sonderschule lernt sie, diese Gabe für sich nutzbar zu machen. Doch alles hat seinen Preis: Immer, wenn sie unvorsichtigerweise den eigenen Vorteil herbeisehnt, stürzt sie ihre Mitmenschen augenblicklich ins Unglück.

Nachdem ihr Heimatdorf von einem plötzlich auftretenden Orkan in Schutt und Asche gelegt wurde, macht sich Alisa auf in die große Stadt, um dort ihr Glück zu suchen. Moskau, eine dreckige, modrige Betonwüste. Hier konstruieren unzählige Werbeplakate eine Welt, in der alles möglich scheint – man muss es nur richtig wollen. Auf ihnen manifestieren sich Alisas Hoffnungen, die genauso die Hoffnungen jedes anderen Menschen sein könnten. Die Erfüllung aller Träume – jetzt mit 20 Prozent Rabatt! Hinter dieser schillernden Fassade lauert eine von Siechtum und Ignoranz geprägte Realität. Alisas kindlich-naive Imagination schützt das Mädchen Anfangs vor dieser feindlichen Umgebung. In ihrer Fantasie tanzen die Akteure vor pastellfarbenem Himmel fröhlich im Kreis. Traum, Erinnerung und Wirklichkeit, Innen und Außen. Mit spielerischer Leichtigkeit überlagern sich die verschiedenen Sphären und Eines geht im Anderen auf. Erst die Begegnung mit ihrem Traumprinzen bringt auch etwas Farbe in Alisas Alltag. Der hat aber keinerlei Verständnis für ihre mädchenhafte Schwärmerei. In seinem Leben bleibt Alisa nur eine eher lästige Randerscheinung.

Was kümmert es den Menschen, den man liebt, dass man ihn liebt? Was kümmert es den, der liebt, dass seine Zuneigung nicht erwidert wird? Bedingungslose Liebe, kurze Momente des Glücks, Selbstaufopferung, ein letzter Wunsch. Die Geschichte endet für Alisa tragisch. Doch sie tritt ein in die kurzlebige Unendlichkeit des Werbehimmels, an dessen Firmament ihr Bild nun überlebensgroß erstrahlt.


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