Ich fand durch Zufall dieses Video, in welchem sich Deutschland ‘größter’ Showmaster unter anderem über Filmkritiker äußert. Ich lass das erstmal unkommentiert…
Eine Filmkritik mit Musik: Alice Cooper – Sanctuary
Your world full of creeps
Zombies walk the street
Frank, ganz ehrlich: Milly und Shep Campbell, deine ‘Freunde’ aus der Firma – was für eine zynisch künstliche Freundlichkeit sie doch an den Tag legen. Immer der gleiche Tagesablauf, immer die gleichen leeren Worthülsen.
9 to 5 barely alive
Have a beer go to sleep
And start all over again
Ja, Frank, deinen Job kannst du nicht ausstehen, die Arbeit ödet dich an und doch ergibst du dich jeden Tag in den immerwährenden Trott. Und daheim kippst du kein Bier – nein, sondern gleich den Red Label. Und täglich grüßt das Murmeltier.
Same grey suit
Same round shoes
Same headache
Same pills
Die Anzüge hier sind so grau, man könnte meinen, sie kämen alle vom gleichen Schneider. In der Masse ist Frank nur einer von vielen, dein ach so tolles ‘Anderssein’ ist unglaublich schnell dahin. Nimmst du Pillen? Du zeigst es nicht, aber es würde zum Gesamtbild passen.
He goes home thinks about suicide
But he’s got his diploma
Got to give him that
Stimmt schon Frank, eigentlich bist du nicht so schlecht. Dein Boss findet deine Art nicht schlecht, du scheinst zu höherem berufen. Und das in einem Job, der dich anwidert?
Someday I gotta get outta her
Gotta put on a shirt put on a tie
Get a job buy a car get some insurance
Cuz I’ll probably have a heart attack
Before I’m 40
April würde so gerne nach Paris ziehen. Aber willst du auch, Frank? Du könntest dein Hemd und deinen Schlips sogar ablegen, April würde genug für euch verdienen. Aber hey, du hast hier dein Auto, dir steht ein besserer Job mit mehr Gehalt in Aussicht. Klar, mit mehr Aufwand, längerer Arbeitszeit, mehr Stress. Und dann die ganzen Zigaretten, der Schnaps… da ist der Herzkasper vielleicht tatsächlich nicht mehr weit.
I guess I’ll find the perfect wife
And I’ll have 2.3 perfect kids
And if I work real hard
And die real fast
They’ll all turn out just like me
Aber Moment, stimmt ja! Du hast die beste Frau der Welt, ihr seid ein perfektes Paar. Ihr seid so anders, so besonders. Eure Kinder sind toll. Zwei habt ihr schon, welch ein Glück, dass das dritte auch schon unterwegs ist. Aber meinst du, April sieht das genau so?
Oh, ich vergaß, ihr wollt ja beide doch nicht mehr nach Paris, ihr findet es beide grandios, dass du mehr arbeitest. Wahrlich eine perfekte Familie.
I got a radical place
Got my own private space
It’s my sanctuary
Deine Zuflucht, Frank, dein Haus. Nicht euer Haus, du betonst es explizit. Deine eigene kleine heile Welt.
It’s the castle of doom
I’m the king of my room
Aber halt: so ganz perfekt ist ja doch nicht alles. Du hast deine kleine Sekretärin, April hat Shep. Und seid ihr wirklich so harmonisch? Ihr habt einen kapitalen Streit, eure Ehe liegt doch schon in Trümmern. Du bist der Herr im Haus, deswegen wird getan, was du entscheidest. Das Kind wird nicht abgetrieben, ihr geht nicht nach Paris. Und Ende der Diskussion.
Just a Quasimodo
Let the world blow away
This is where I will stay
In my sanctuary
Und dann tut sie es doch. April treibt ab. Und nun ist dein ganzes heile-Welt-Gefüge dahin. Deine Frau ist tot. Oh, und du bleibst doch nicht. Du läufst in ein anderes Leben.
Got my mess on the floor
Got my lock on the door
Weg von deinem Zufluchtsort, von deinem Heiligtum.
Go away
Sanctuary
Hey ihr Trendexperten im Fernsehen! Ich hab einen neuen Trend für euch ausgemacht, den ihr vielleicht mit eurem Geschwätz begleiten und damit euer Ego und euren Geldbeutel ein bisschen aufpeppeln könnt.
Zur Zeit total IN: Trendexperten!
Der SPIEGEL machte gestern abend mit seiner Uni-Gesprächsreihe in Weimar Station. Andreas Borcholte im Gespräch mit Regisseur Volker Schlöndorff. Dieser hatte kurz vor dem Gespräch mit seiner harrschen Kritik an der Defa (nachzulesen hier) für die vermeintlich beste Publicity gesorgt. Dennoch ist das Audimax der Bauhaus-Universität an diesem Abend zwar gut besucht, aber nicht voll – der Weimarer Tatort begeisterte weitaus mehr Menschen. Gespannt sind die Anwesenden dennoch.
Das übergeordnete Thema des Abends sollte laut Ankündigung über den Konflikt zwischen Dokumentation und Dramatisierung, über die deutsche Befangenheit im Umgang mit der eigenen Geschichte – und die Unterschiede zwischen dem Autorenfilm der siebziger Jahre und dem Neuen Deutschen Film von heute handeln. Und leider war dem auch so. Nicht, dass Volker Schlöndorff nicht viel zu dem Thema zu sagen hätte, als Regisseur von ‘Die Stille nach dem Schuss’ steht er tief in der Materie. Doch im Prinzip kommen alle Antworten immer wieder auf ‘Baader Meinhof Komplex’ zurück. Dass Schlöndorff diesen Film nicht mag, sagt er ganz unverholen. Dass er daran kein gutes Wort lassen kann, weil er sich mit Uli Edel und Bernd Eichinger überworfen hat, ebenso. Warum dann dennoch immer wieder um dieses Thema gekreist werden muss, ist aber unverständlich. Zwar gibt es auch einen Gesprächsblog über Schlöndorffs Oscar-Preisträger ‘Die Blechtrommel’, insgesamt ist das Interview jedoch zu einseitig. Mehr Abwechslung hätte dem ganzen sicher gut getan.
Andreas Borcholte mag ein guter Redakteur sein, ein guter Fragenstellter, Interview-Partner und Gesprächsleiter ist er nicht. Er wirkt ebenso wie alle anderen im Raum wie ein interessierter Zuhörer. Er schafft es nicht, die teils recht ausschweifenden Antworten Schlöndorffs zu unterbrechen oder gut zu lenken. Seine Fragen wirken manchmal wie ein starres Korsett, sind nicht angepasst oder wandelbar. Und manchmal auch total unnötig (‘Würden Sie den Film heute nochmal genau so drehen?’ ist so ziemlich die unnötigste Frage überhaupt). So wird die Defa-Kritik gar nicht angesprochen, auch nicht aus dem Publikum heraus, was für Weimar doch verwunderlich ist. Eine einzige Frage an diesem Abend behandelt nicht Das Thema RAF oder ’Die Blechtrommel’. Zu wenig bei einem so vielseitigen und erfahrenen Regisseur und Menschen wie Volker Schlöndorff.
So endet das Gespräch zwar nicht enttäuschend, aber unbefriedigend, weil schlicht und ergreifend zu viele Dinge ausgespart wurden. Hier wurde eine große Chance etwas leichtfertig vertan. Am Ende kann man nur sagen, dass man das SPIEGEL-Gespräch an unserer Uni war und wir Volker Schlöndorff live gesehen und gehört haben. Immerhin.
007 ist tot. Verantwortlich ist keiner dieser fiesen Schurken wie Dr. Julius No, Ernst Blofeld, oder Francisco Scaramanga, denen man diesen Erfolg nach all den Jahrzehnten mal gönnen würde, sondern Schuld sind die Filmemacher des aktuellen Streifens »Ein Quantum Trost«.
Damals, 1964 in Goldfinger, als Sean Connery zu Beginn aus dem Wasser auftaucht, locker und zielgerichtet eins/zwei Handlanger niederstreckt, einen Sprengsatz in einer Fabrik platziert und anschließend top gestylt im Smoking auf einer Party auftaucht um mit einer hübschen Frau zu flirten – da war die Welt noch in Ordnung.
»Ein Quantum Trost« hingegen beginnt mit einer dieser ›aufregenden‹ Wackelkamera-Szenen und auch der Rest des Films ähnelt mit seinen aneinander gereihten Actionszenen eher einem typischen Hollywood-Werk wie »Die Bourne Identität«, als einem James-Bond-Film.
Wir trauern um einen souveränen Agenten, der über den Dingen stand, der immer Zeit für einen geschüttelten Wodka-Martini hatte und sich mit seinen Hightech-Gadgets seinen Weg freischlug. Einem charmanten Sonnyboy, der während er die Welt vor geisteskranken Bösewichten rettete, noch ein paar Frauen verführte.
Was in »Ein Quantum Trost« bleibt ist der personifizierte Zweifel in Form von Daniel Craig. Seine Rolle ist muskelbepackt, schnell und verletzlich. »You look like Hell«, sagt M, »realistischer und menschlicher« nennen es die Macher.
So kann man an der aktuellen Entwicklung der Bond-Filme die zwei Pole des Kinos erkennen: Traum und »Realität«. Ich wünsche mir wieder den »unrealistischen« Bond zurück, der mich für ein paar Stunden in seine Welt entführt. Vielleicht besteht noch ein funken Hoffnung.