film & tv rezensionen und empfehlungen 24/7

Marcel Reich-Ranicki beim »Deutschen Fernsehpreis 2008«


 
ein beitrag von Michael P. Wagenhaeuser
 
17. Oktober 2008
14:11 Uhr
 
3 kommentare

 

 


Ich muss es auch zeigen, einfach weil es zeigenswert ist: Marcel Reich-Ranicki lehnte seine Auszeichnung für sein Lebenswerk beim »Deutschen Fernsehpreis 2008« am vergangenen Sonntag ab. Nun sagt mal einer dort wo es hingehört, dass vieles beschissen ist und was passiert – das Publikum klatscht. Brav wie es sich für ein Publikum gehört – wie man auch »Atze Schröder« und »Deutschland sucht den Superstar« beklatscht.

Heute Abend, um 22.30 Uhr im ZDF, spricht nun Marcel Reich-Ranicki ausgerechnet mit Thomas Gottschalk über den Qualitätsverfall im Fernsehen. Ausgerechnet Gottschalk, ich weiß schon, wie das abläuft: Früher waren Fernsehen und Musik noch besser, es muss mehr auf Bildung geachtet werden, und und und. Jaja. Es ist ja auch nicht so, dass es mehr Literatursendungen geben müsste, höchstens andere – gelesen werden muss schließlich immer noch selbst. Aber egal, wieder zu Gottschalk.

Man muss eingestehen, dass Gottschalks Wetten Dass früher wirklich besser war und auch heute nicht zu den schlechtesten Sendungen gehört. Aber auch früher gab es Mist, viel sogar. Und vieles was früher mal gut war, ist es heute nicht mehr. Was soll ich denn zum Beispiel mit einem Playback-Hit-Medley von Foreigner anfangen, wie es mir vor zwei Wochen bei Wetten Dass dargeboten wurde? Das ist doch peinlicher alter Kram, der überhaupt nicht in unsere Zeit passt. Auch so kann man eben schlechtes Fernsehen machen, belangloses Fernsehen.

 

 

Filmkritik: Der Baader Meinhof Komplex


 
ein beitrag von Susanne X. Wagner
 
10. Oktober 2008
15:05 Uhr
 
31 kommentare

 

 

In den ersten und den letzten Szenen des Films gibt es idyllische Bilder. Zu Beginn zwei Mädchen, die in der Nordsee planschen, während ihre Mutter im Strandkorb liest. Zum Schluss ein herbstlich belaubter Wald in Goldtönen. Was dazwischen passiert kann ich nicht beschreiben, weil hier keine Geschichte erzählt wird. Stattdessen reiht der Film in chronologischer Reihenfolge Situationen und Ereignisse aneinander, die sich zwischen 1968 und 1977 in Deutschland, dem Irak, in Somalia und anderen Ländern der Welt zugetragen haben oder so zugetragen haben mögen. Ulrike Meinhof mit ihren Kindern am Strand. Der ‚Polizeistaatsbesuch’ des Schahs. Gudrun Ensslin in einem Streitgespräch mit ihrem Vater über den „imperialistischen Expansionskrieg der USA in Vietnam“. Ein brennendes Kaufhaus. Baader und Ensslin vor Gericht. Die erste Befreiungsaktion. Die ersten Toten. Flugschriften. Die Banküberfälle. Die nackten, fliehenden Kinder in Vietnam. Die Anschläge auf amerikanische Militärbasen. Körper, die vor Kugeleinschlägen erzittern.

Es folgt Bild auf Bild, Aktion auf Aktion, Diskussion auf Diskussion und es gibt nichts, woran ich mich festhalten könnte, kein Bild, keine Szene die als Aufhänger dienen, an der man festmachen könnte: An dieser einen, zentralen Stelle zeigt der Film verdichtet das, was er zeigen will. So etwas wie ein zentrales Bild gibt es im Baader-Meinhof Komplex nicht, der Film konzentriert sich auf nichts. Stattdessen zeigt er so viel, dass ich nach der letzten Einstellung (der Kopf des erschossenen Hans Martin Schleyer sinkt auf den belaubten Waldboden) sprachlos das Kino verlasse und erst mal versuchen muss all die Bilder in meinem Kopf zu ordnen und in Beziehung zueinander zu setzen.

Die Kamera bewegt sich oft mit den Terroristen durch die Räume, schwenkt über den Flur zu einer Tür und betritt mit ihnen ein Zimmer. Sie bleibt auch einmal am Türrahmen stehen, fast so als halte sie Wache, während eine Terroristen die Bombe hinter einem Regal versteckt. Die Kamera nimmt mich als Betrachter immer mit. Sie schiebt mich mitten hinein in die Unruhen zwischen den Studenten und den Anhängern des Schahs, ganz nach vorn, in Reichweite der Wasserwerfer. Ich werde zum Mitwisser, als der erste Brandanschlag geplant wird. Aus der Perspektive eines kleinen Mädchens beobachte ich aus dem Fenster wie Andreas Baader ins Bein geschossen und wie er verhaftet wird. Ich stehe auch hinter Ponto, als er Brigitte Mohnhaupt die Tür seines Hauses öffnet, so wie ich mit den Wärtern die Zellentüren im Stammheimer Gefängnis öffne und die Leichen der Inhaftierten finde.

Nur zum Schluss hält die Kamera sich kurz fern. Während die Schüsse auf Schleyer zu hören sind, zeigt sie den goldenen Herbstwald. Ich hatte mich gerade damit abgefunden, dass ich so haltlos durch diesen Film gerissen werde, wie wahrscheinlich auch die Deutschen in den siebziger Jahren durch den Terror der RAF Sicherheit und Orientierung verloren.
Aber dann erscheint der goldene Wald in der vorletzten Einstellung. Nach den vorangegangen zwei Stunden wirkt dieser natürlich überhaupt nicht idyllisch. Irgendwie stört diese Einstellung gewaltig, weil sie die Phrase vom „deutschen Herbst“ aufdrängt und diese Metaphorik unglaublich schwach und simpel wirkt im Vergleich zu sämtlichen Bildern, die der Film bis hier hin zeigte. So sticht dieses eine Bild doch heraus, aber nur, weil es dem Rest des Films nicht gerecht werden kann.

 

 

Reaktionen auf die Reaktionen der Börsen


 
ein beitrag von michael p. wagenhaeuser
 
10. Oktober 2008
10:52 Uhr
 
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Schaut man heute morgen n-tv oder cnn sieht man Galgenhumor in Reinform: Die Moderatoren bekommen keine geraden Sätze heraus, kichern und scherzen.

 

 

Fritz Langs Metropolis: verlorene Szenen aufgetaucht


 
ein beitrag von michael p. wagenhaeuser
 
3. Juli 2008
12:24 Uhr
 
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»In einem Museum in Buenos Aires wurden verloren geglaubte Szenen von Fritz Langs ‘Metropolis’ entdeckt.«

 

 

Filmkritik: Rusalka – Die Meerjungfrau


 
ein beitrag von knut s. spangenberg
 
2. Juli 2008
12:36 Uhr
 
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Russische Föderation 2007, Regie: Anna Melikian;

Vergnügt schwimmen die bunten Fische im Vorspann durch ihr Frottee-Aquarium, das den voluminösen Hintern einer Dame mittleren Alters bedeckt. Ein ungestümer One-Night-Stand in der Meeresbrandung, bei dem sich die Naturgewalten mit einschreiben in das Kind, welches vergeblich auf die Heimkehr des Vaters hoffen wird. Die kleine Meerjungfrau, das ist Alisa.

Die Fähigkeit der Wunscherfüllung ist ihr schon in die Wiege gelegt, aber erst auf der Sonderschule lernt sie, diese Gabe für sich nutzbar zu machen. Doch alles hat seinen Preis: Immer, wenn sie unvorsichtigerweise den eigenen Vorteil herbeisehnt, stürzt sie ihre Mitmenschen augenblicklich ins Unglück.

Nachdem ihr Heimatdorf von einem plötzlich auftretenden Orkan in Schutt und Asche gelegt wurde, macht sich Alisa auf in die große Stadt, um dort ihr Glück zu suchen. Moskau, eine dreckige, modrige Betonwüste. Hier konstruieren unzählige Werbeplakate eine Welt, in der alles möglich scheint – man muss es nur richtig wollen. Auf ihnen manifestieren sich Alisas Hoffnungen, die genauso die Hoffnungen jedes anderen Menschen sein könnten. Die Erfüllung aller Träume – jetzt mit 20 Prozent Rabatt! Hinter dieser schillernden Fassade lauert eine von Siechtum und Ignoranz geprägte Realität. Alisas kindlich-naive Imagination schützt das Mädchen Anfangs vor dieser feindlichen Umgebung. In ihrer Fantasie tanzen die Akteure vor pastellfarbenem Himmel fröhlich im Kreis. Traum, Erinnerung und Wirklichkeit, Innen und Außen. Mit spielerischer Leichtigkeit überlagern sich die verschiedenen Sphären und Eines geht im Anderen auf. Erst die Begegnung mit ihrem Traumprinzen bringt auch etwas Farbe in Alisas Alltag. Der hat aber keinerlei Verständnis für ihre mädchenhafte Schwärmerei. In seinem Leben bleibt Alisa nur eine eher lästige Randerscheinung.

Was kümmert es den Menschen, den man liebt, dass man ihn liebt? Was kümmert es den, der liebt, dass seine Zuneigung nicht erwidert wird? Bedingungslose Liebe, kurze Momente des Glücks, Selbstaufopferung, ein letzter Wunsch. Die Geschichte endet für Alisa tragisch. Doch sie tritt ein in die kurzlebige Unendlichkeit des Werbehimmels, an dessen Firmament ihr Bild nun überlebensgroß erstrahlt.

 

 

TV-Tipp Dienstag, 1. Juli: 2046 (BR)


 
ein beitrag von michael p. wagenhaeuser
 
1. Juli 2008
17:58 Uhr
 
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FKE {Filmkritikereinheiten}: ★★★★★★☆☆☆☆  6/10

Sendetermin: Dienstag, 1. Juli 2008, 23.25 Uhr bis 1.25 Uhr, Bayerisches Fernsehen

HK/F 2004, 119 Minuten;
Regie: Wong Kar-Wai; Hauptdarsteller: Tony Leung, Carina Lau, Gong Li, Maggie Cheung;

»Wong Kar-Wais schwerelos inszeniertes Meisterwerk ist ein berauschendes Filmgedicht, dessen melancholisch-poetischer Bilderteppich die Grenzen von Zeit und Raum spielerisch auflöst.« Bayerisches Fernsehen

Rotten Tomatoes Wertung 84%IMDB Wertung 7.5

Filmkritiken: FAZ Artechock Freitag

 

 

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