Tja, nun ist es vorbei, das Gespräch zwischen Herrn Gottschalk und Herrn Reich-Ranicki. Was es gebracht hat? Wenig. Bestimmt eine hohe Quote für das ZDF und die Tatsache, dass sich die Zuschauer Gedanken über das Fernsehen gemacht haben. Mitnehmen konnte man von den beiden Herren wenig. Beide konnten ihren Standpunkt nicht aufgeben und beide hatten Unrecht.
Thomas Gottschalk hielt sich zurück und schien sehr gut vorbereitet. Er zeigte sich als Fernsehkenner, reflektierte und resignierte. Seiner Meinung nach wird man das Fernsehen kaum verändern können, da es stark an der Quote hängt. Es wird gezeigt, was gesehen werden will.
Damit hat er zum großen Teil natürlich recht. Aber zum einen gibt es die Öffentlich-Rechtlichen, die eben nicht nach der Quote ausstrahlen müssen. Ich verstehe sowieso nicht, warum es auch in der ARD und ZDF Soaps und Kochsendungen geben muss. Dies bieten doch alle Privatsender auch, das hat mit Grundversorgungsauftrag doch nichts zu tun. Warum nicht hier mal etwas wagen und statt Soaps etwas anderen ausprobieren?
Das andere Argument gegen »es wird gezeigt, was gesehen werden will« ist, dass die meisten Menschen zwar mit wenig zufrieden sind, es aber nicht sein sollten. Selbst wenn sie unzufrieden sind, was an dem großen Interesse an der Sendung wohl abzulesen ist, haben sie entweder nicht die Motivation oder die Möglichkeit dies zu äußern. Es gibt einfach kein Instrument, um auf das große Sendemedium Fernsehen entsprechend zu reagieren.
Das Feuilleton, auf das Gottschalk kurz schimpft, ist sicherlich nicht Schuld am schlechten Fernsehen, es ist höchstens zu schwach beziehungsweise in den Zeitungen deplatziert. Denn das Feuilleton bestraft nicht grundsätzlich die »Quotenverlierer«, wie Gottschalk behauptet. Das Feuilleton mag beispielsweise Harald Schmidt, und zwar zurecht – trotz schlechter Quoten und teilweise langweiliger Sendungen. Er verbindet Unterhaltung und Inhalt.
Marcel Reich-Ranicki hat wenig Ahnung vom Fernsehen. Er will Fernsehen für Gebildete. Er verwechselt Atze Schröder und Helge Schneider, wie ich Faust mit Werther (haha). Er ist Literaturkritiker und »kritisiert«. Aber »kritisieren« bedeutet nicht nur zeigen was schlecht ist, sondern auch aufzeigen zu können warum, wo und was man besser machen müsste, wie das Fernsehen sein könnte und sollte.
Es ist natürlich interessant zu sehen, dass selbst hochintelligente und gebildete Menschen keinen konkreten Zweck des Fernsehens nennen können. Wohl, weil es viele gibt. Meiner Meinung nach, da schließe ich mich Herrn Reich-Ranicki an, muss das Fernsehen in erster Linie unterhalten, darf aber dabei den Inhalt nicht vergessen – und das geht. Es geht bei Schmidt, Switch, Willi Wills Wissen und was weiß ich wo. Es geht bei guten Filmen wie Fightclub, Apocalypse Now, American Beauty, Metropolis, und und und, die Liste ist unglaublich lang. Sie unterhalten und sie können mir, wenn ich mich hineindenken möchte, »mehr« geben.
Fernsehen muss also nicht, wie beide meinen, Sendungen für Gebildete machen. Fernsehen muss sinnvoll unterhalten.
Was nun übrig bleibt, ist eine Diskussion, Aufregung und das Wissen, dass Fernsehen beschissen ist. »Eine Banalität die jeder sagen könnte«, aber nur bei wenigen eine solche Reaktion auslöst. Dafür vielen Dank, Marcel Reich-Ranicki.
Es sind eben doch Veränderungen nötig und für Veränderungen ist Kritik nötig, sonst bekommt man, was man hinnimmt.
PS: Marcel Reich-Ranicki hat definitiv recht, Herr Gottschalk: Atze Schröder wird auch in 200 Jahren nicht als Shakespeare seiner Zeit angesehen – was für ein grauenhafter Gedanke.





