Durch ein Fenster brechen die Sonnenstrahlen in ein warmes Zimmer. Ein stattlicher Mann sitzt in einem Schaukelstuhl und raucht genüsslich seine Zigarre. Kind und Frau sind anwesend – heile Welt.
Männer sitzen im sonnendurchfluteten Wald und essen Eintopf. Ihr Anführer, ein stattlicher Mann, der seine bisherigen 17 Morde nicht bereut, blinzelt.
In der Dunkelheit trifft die Bande die letzten Vorbereitungen für einen Zugüberfall. Als der Zug herandonnert, blendet das Licht der Scheinwerfer. Dampf steigt auf und im gleißenden Gegenlicht erscheint die Silhouette des Anführers Jesse James. Sein nächtliches Ich ist skrupellos: Er verprügelt einen Zug-Angestellten, bis dieser regungslos am Boden liegt.
Jesse James ist so gespalten wie Licht und Schatten und doch kann das Eine ohne dem Anderen nicht sein. Jesse James ist kein Stereotyp, er ist Gut und Böse, er ist Mensch.
Zu wissen, wovon der Film handelt und welchen Verlauf dieser nimmt, ist keine Kunst: »Die Ermordung des Jesse James durch den Feigling Robert Ford«. Der »Verlust« des klassischen Spannungsbogens verstärkt andere Qualitäten: Zum einen der größere Einfluss der einzelnen Charaktere und zum anderen die Suspense: »Wann stirbt Jesse James endlich!?«
Der Film ist kein klassischer Western, bei dem der strahlende Held natürlich das Shootout gewinnt und »das Böse« aus der Stadt treibt. Es gibt keinen romantischen Ritt in den Sonnenuntergang, sondern Winter. Keine Tresenschlägereien, sondern Tränen. Keine Helden, sondern Getriebene.