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Filmkritik: Stanley Kubrick – Dr. Seltsam (Dr. Strangelove)


 
ein beitrag von michael p. wagenhaeuser
 
26. September 2007
22:16 Uhr
 
6 kommentare

 

 

Stanley Kubrik: Dr. Seltsam oder: Wie ich lernte, die Bombe zu lieben.
(1964 – Dr. Strangelove or: How I learned to stop worrying and love the bomb)

Irgendwie seltsam – ein über 40 Jahre alter Schwarzweißfilm, dessen Produktionstechniken und zeitlicher Kontext längst überholt sind, hat nichts von seiner Aktualität und Qualität eingebüßt

Die bissige Satire strotzt vor lächerlich überzeichneten Stereotypen, wie dem wahnsinnigen US-General Jack D. Ripper, der ohne das Wissen seiner Regierung eine Flotte Atombomber in Richtung Sowjetunion schickt. Der überforderte US-Präsident Muffley versucht den nuklearen GAU zu verhindern, doch die Feinde sitzen in seinen Reihen. Zum einen ein waffenvernarrter General, der darauf drängt, die übermächtigen Kriegssysteme zu erproben, und zum anderen Dr. Seltsam. Der emigrierte NS-Wissenschaftler begeistert die Regierung von seiner Vision, nach dem GAU eine neue Elite zu schaffen. Sein sich gegen seinen Willen zum Hitlergruß streckender Arm offenbart welcher Geist in ihm steckt – die Riege der Männer steuert geradlinig auf den Untergang zu.

Regisseur Stanley Kubrick behandelt ein Thema, welches ihn in seinem Film »2001 – Odyssee im Weltraum« noch einmal beschäftigen sollte: Die moderne Gesellschaft errichtet ein scheinbar unfehlbares System, das sich letzten Endes durch Inhumanität auszeichnet und sich gegen die ohnmächtigen Menschen wendet. Analog zur Struktur der US-Befehlsgewalt verhindern die vermeintlich zuverlässigen Kommunikationsmedien die Verbindung der wenigen Handlungsorte. Die entstehende Enge wird von dunklen Kulissen, Low-Key-Aufnahmen, wenigen Tageslichtszenen und den Schwarzweiß-Bildern verstärkt, jedoch durch brillante Banalitäten in den brisantesten Situationen gebrochen: »Gentlemen, you can’t fight in here! This is the War Room«. Die Tatsache, dass die Handlung des Filmes in Echtzeit abläuft vergrößert die Spannung.

Der große Spagat zwischen Humor und Anspruch wurde perfekt umgesetzt. Letztlich wird der Zuschauer mit einem lachenden Auge und einem beklemmenden Angstgefühl alleine gelassen, zu dessen Ursache man eines mit Sicherheit sagen kann: »We’ll meet again«