Gespenstisch goldgelb blicken 26 Augenpaare dämonengleich aus nachtschwarzen und kalt grauen Hundekörpern. Verwischend impressionistische Wiesen ziehen sich als pastellene Hintergründe. Gespenstisch goldgelbe Körper tauchen aus nachtschwarzem, träge liegendem Meer. Expressionistisch schwarze Kanten zeichnen Charakteterlinien in Gesichter. Gespenstisch goldgelbes Zwielicht gleitet den nachtschwarzen Himmel hinab, verglüht, lässt dunkles, nacktes Firmament zurück.
In surrealen bewegten Gemälden komponiert Ari Folman seine persönliche Aufarbeitung des Libanonkrieges. Ein Ereignis, das bei ihm weder seelische Spuren noch Erinnerungen hinterlassen hat. Oder ist genau dieses nicht Vorhandensein die Spur? Erst der Traum seines Waffenbruders Boaz Reins schneidet Risse in Folmans Mauer des Verdrängens. Es sind die 26 Hunde, die ihn Nacht für Nacht heimsuchen, deren goldgelbe Augenfarbe eigentlich ein sanfter warmer Ton ist, durch ihren Einsatz und Platzierung im Film aber Kälte, Ferne und Verdrängung nahezu greifbar machen. Die Farbe ist traumhaft schön. Von diesem Traum ausgehend schafft es Folman in Gesprächen mit ehemaligen Weggefährten, sich die Geschehnisse und seine Rolle darin ins Gedächtnis zu rufen. Dabei stützt er sich nur auf Träume und Erinnerungen und es ist sicher kein Zufall, dass sein Film durch seine Surrealität etwas durch und durch Traumhaftes hat. Spätestens mit den letzten Bildern jedoch, Originalaufnahmen aus Sabra und Shatila, trifft die Realität der gezeigten Ereignisse den Zuschauer mit einer Intensität, die einem noch Minuten nach dem Erlöschen des letzten Lichtes auf der Leinwand in Stille und Bedrücktheit an das eben gesehene denken lässt. Eine Bedrücktheit, die wohl auch Folman selbst erlebt haben muss. Denn mit zunehmender Klarheit erinnert er sich, dass das gespenstisch goldgelbe Licht, was sich durch den Film und somit durch die Erinnerungen zieht, von ihm selbst produziert worden ist. Es rührt nämlich von den Leuchtraketen, die er und seine Kameraden über den Lagern abschossen, um den mordenden Milizen die Nacht zu erhellen. Aus kleinen goldgelben Funken in 26 Augenpaaren zu dem Meer entsteigenden Körpern hin zu goldgelber Nacht kristallisiert sich Folmans Erinnerung. Und mit dem Erlöschen des Zwielichts ist sie komplett.
Der Film bietet keine Erklärung der Schrecken des Krieges oder eine politische Stellungnahme. Er ist die Sicht und Aufarbeitung eines traumatisierten israelischen Soldaten. Eines Soldaten, der nicht Schuldige finden oder anklagen will. Er ist die mahnende Bewältigung einer Vergangenheit, ein erhabenes Stück Geschichte, welches in seiner Machart das traumhafte der Erinnerungen, aus denen es besteht, wunderbar aufgreift. All das – und das macht ihn so herausragend – weiß der Film von Beginn an, denn einer der ersten Sätze, die Boaz Reins zu Folman sagt, ist: ‘Du machst doch Filme. Das ist doch was therapeutisches.’





